Plötzlich schreiben

Mein zweites von drei Praktika vor der Bachelorarbeit habe ich in einer kleinen Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung gemacht:

SZ-Prakti1

In den zwei Monaten bei der Lokalpresse wurde ich von Anfang an ins kalte Wasser geschmissen, was alles andere als schlecht war. Vom ersten Tag an bekam ich Themen, die es zu recherchieren und dann zu schreiben galt. Vor dem Praktikum dachte ich, dass sich Lokaljournalismus hauptsächlich mit Kaninchenzüchtervereinen und ähnlich spannenden Themen beschäftigt. Letztlich ist das gar nicht so falsch, nur das es tatsächlich – ohne sarkastischen Hinterton – recht spannend sein kann, seine Nase in Kaninchenzüchter- und andere komische Vereine zu stecken. So war ich beim Zirkus, bei der Feuerwehr, hab mich mit Sportlern getroffen, habe mit Stadträten und Polizeichefs telefoniert, Spielmannszüge besucht, Erdbeerfelder inspiziert, von der Öffnung einer Kirchturmspitze berichtet, über Einzelschicksale geschrieben und vieles mehr. Zusammengefasst habe ich so ziemlich überall in Freital recherchiert und geplaudert und daraus dann eine  Geschichte gebastelt.

Das Schöne an dieser Arbeit ist, dass ich als Redakteur mein eigener Herr bin. Wichtig ist lediglich, dass am Ende eine Geschichte steht und diese den Regeln des (Lokal-) Journalismus entspricht. Im Gegensatz zum Fernsehen existieren ungewohnte Freiräume. So bin ich nicht auf andere angewiesen: ich alleine schreibe meine Geschichte. Ich mache mir meine Gedanken über die Dramaturgie und schreibe die Story so, wie ich sie erzählen will. Es gibt in der Regel keinen der mir dabei zwischenfunkt, nichts was ich inszenieren muss, um Quotensicherheit zu haben, und niemanden, der mir sagt das der Hase nur in diese eine Richtung laufen darf. Bei der Lokalzeitung gibt es täglich neue Geschichten zu erzählen. Schöne kann man auskosten, weniger schöne schnell abhaken: heute das Erdbeerfeld und der neue Polizeichef, morgen die Feuerwehr. Es gibt selten ätzende Geschichten, die sich über Wochen hinziehen und bei denen man sich von Anfang an fragt, wofür man das überhaupt produziert. Wenn es bei der Zeitung heute einen ätzenden Auftrag gibt, gehört dieser in der Regel ab morgen der Vergangenheit an. Wenn ich heute Mist produziert habe kann ichs morgen besser machen, schließlich ist nichts so uninteressant wie die Zeitung von gestern…

Kurzum, ich habe im zweiten Praktikum die Zeitung für mich entdeckt und so eine neue Option für die Zukunft gefunden. Heute kann ich mir gut vorstellen in einer Lokalredaktion zu schreiben, vielleicht nicht für immer, aber das ist ja erstmal zweitens.

In wenigen Tagen beginnt, nahezu nahtlos, das nächste Praktikum: mit Löwenzahn beim ZDF in Mainz  rufen dann wieder die bewegten Bilder. Eine WG habe ich schon, mal sehen was das Kinderfernsehen so zu bieten hat.

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