Enterprise – nothing to rent

Wer heutzutage innerhalb Deutschlands günstig reisen will, bucht sich am besten rechtzeitig einen Flieger oder nimmt einen Mietwagen. Die Deutsche Bahn ist schon lange nur noch das Reisemittel für Geschäftsleute, den Personenkreis also, der die Kosten ohnehin erstattet bekommt. Wer nicht dazu gehört überlegt sich zwei mal womit er reist.

So habe ich es auch getan. Ich hab mich durch das Internet geklickt, weil ich diesmal nicht als Mitfahrer unterwegs sein wollte sondern selbst entscheiden mochte, wann die Reise losgeht.

Und tatsächlich habe ich recht schnell eine überraschend preiswerte Alternative gefunden: „Enterprise – rent a car“, vor der Haustür in Mainz. Diese Mietwagen-Filiale versprach mir ein konkurrenzloses Angebot: Für 3 Tage konnte ich mir hier einen Kleinstwagen zum Preis von gerade einmal 33 Euro mieten! – Kaum zu glauben, kosten vergleichbare Angebote bei den großen Mietwagenfirmen doch mindestens das Doppelte. Dies vor Augen, wollte ich sicher gehen und in Erfahrung bringen, ob dieses Angebot nicht einen Haken hat. Der freundliche Herr, den ich ans Telefon bekam, als ich die Nummer auf der Internetseite von „Enterprise“ wählte, versicherte mir, dass es bei dieser Sache keinen Haken gäbe. Wenn ich bei „Enterprise“ einen Wagen im Internet buche, bekomme ich einen zusätzlichen Rabatt von bis zu 15% und so entstehen diese Preise. Ich solle den Wagen buchen, mir meine Buchungsnummer notieren und dann zum Termin einfach das Auto abholen.

So tat ich es dann auch. Da ein Mietauto der Golf-Klasse auch nur 46 Euro für die drei Tage kosten sollte, reservierte ich 16 Tage vor dem Termin und war stolz auf mein Schnäppchen. In den kommenden Tagen habe ich meine Fahrt von Mainz nach Dresden und zurück im Internet als Mitfahrgelegenheit angeboten und hatte auch schnell meine Mitfahrer zusammen. Wir wollten also jeweils zu viert die Reise antreten. – Das war der Plan.

„Wir haben leider keinen Wagen für Sie, Herr Reimann.“

Am 31. Juli, dem reservierten Termin, wollte ich den Wagen dann abholen. Für 9.30 Uhr hatte ich diesen reserviert, also war ich kurz nach neun in der Filiale. Diese war verschlossen: Der Beginn eines sehr ärgerlichen Morgens. Auf einem handgeschriebenen Zettel stand, dass der Laden ab 9.15 wieder besetzt sei (laut Öffnungszeiten ab 8.00 Uhr geöffnet). Als auch 9.15 Uhr niemand kam, rief ich die Nummer der Filiale an, woraufhin einige Minuten später eine Angestellte mit dem Auto angebraust kam. Frau E. ließ mich in die Filiale eintreten und begrüßte mich mit einer Hiobsbotschaft: „Wir haben leider keinen Wagen für Sie, Herr Reimann.“ Frau E. versicherte mir, mich am Vortag mehrfach angerufen zu haben um mir diese Nachricht „rechtzeitig“ mitzuteilen. Und in der Tat, ein mal wurde ich angeklingelt. Allerdings saß ich zu dieser Zeit in einer Sitzung, sodass ich nicht ans Telefon gehen konnte. Da kein weiterer Anruf folgte, habe ich mich nichts weiter gedacht.

Normalerweise kümmert sich in solch einer Situation die Mietwagenfirma, indem sie einen Wagen organisiert – zur Not bei der Konkurrenz – und diesen dem Kunden zum vereinbarten Preis zur Verfügung stellt. Nicht so jedoch „Enterprise“. Hier bekommt man ein auswendig gelerntes „Entschuldigung“ und kann sehen wo man bleibt. Als ich Frau E. meine Situation erklärte und ihr versuchte deutlich zu machen, dass drei Leute auf mich und den Wagen angewiesen sind, schüttelte sie nur mit dem Kopf. Fassungslos erzählte ich der Kundenbetreuerin, dass ich eventuell Termine habe und das ich zur Einhaltung dieser auf den Mietwagen – den ich vorausschauend bereits 16 Tage im Voraus gebucht habe – angewiesen bin. Die Reaktion die Frau E. darauf zu Tage brachte war für mich schockierend: Sie meinte, es sei jetzt 9.30 Uhr. Bis ich in Dresden bin ist es abends, wer hat bitte an einen Freitagabend einen Termin… – Das muss man sich mal vorstellen! Kann man mit so viel Dreistigkeit rechnen? Unglaublich!

„Wer hat bitte an einem Freitag abend in Dresden einen Termin?“

Nach langem hin und her rief Frau E. für mich bei der Konkurrenz von „Europcar“ an. Dort sollte ich laut ihrer Aussage ein Fahrzeug für das Wochenende für 70 Euro bekommen, dies aber nur, wenn schnell Zusage und mich beeile. Frau E. von „Enterprise“ wollte alles andere abklären.

Als ich später bei „Europcar“  war, um mir diesen kleineren Mietwagen zu leihen, wussten die Angestellten zwar von der Anfrage, nichts jedoch von einem 70-Euro-Angebot. Großzügig stellte mir „Europcar“ bereits 10.00 Uhr einen Wagen (für die üblichen 89 Euro) zur Verfügung, den ich eigentlich zu diesen Konditionen erst ab 12.00 Uhr hätte bekommen können.

Bevor ich die „Enterprise“-Filiale verlassen hatte, bat ich die Kundenbetreuerin Frau E. noch, mir ein Schreiben auszustellen, auf dem stehen sollte, dass ich trotz rechtzeitiger Buchung und Buchungsbestätigung von „Enterprise“ keinen Mietwagen zur Verfügung gestellt bekam. Das einzige, was Frau E. mir daraufhin geben konnte war ihre Visitenkarte, auf die sie schnell schmierte „Reservierung vom 31.7. kurzfristig abgesagt.“ Zudem sagte sie, ich solle mir keine Hoffnungen machen, es werde keine Entschädigung geben. Schließlich könne sie nichts dafür, wenn ein Wagen kurzfristig ausfällt.

In den nächsten Wochen habe ich dieses Erlebnis immer wieder erzählt. Natürlich waren die Leute, denen ich davon berichtete erstaunt ob der Dreistigkeit. Was mich jedoch erstaunte ist, dass ich in diesen Gesprächen bereits zwei Leute gesprochen habe, die genau das selbe erlebt haben. Auch sie wollten bei „Enterprise“ billig ein Auto mieten und haben kurzfristig eine Absage bekommen.

Was mich nun, fast zwei Monate nach diesem Vorfall freut ist, dass das ZDF auf diesen Fall aufmerksam geworden ist. Da ich während meiner Hospitation beim ZDF mit Kollegen auch über diesen Fall gesprochen habe, ist aus dem lapidaren Gespräch ernsthaftes Interesse geworden. Die Kollegen berichteten mir nun, sich in der nächsten Magazin-Staffel auch mit diesem Fall auseinander setzen zu wollen.

Manchmal lohnt es sich eben doch irgendwas mit Medien zu machen.


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