Geschichten aus dem Lesesaal

Zurzeit sitz ich täglich im großen Lesesaal der SLUB in Dresden. Hier ist es trotz hunderter Prüfungszeit-geplagter Studenten sehr ruhig. Hier kann man effektiv arbeiten. Dachte ich zumindest.

In aller Regelmäßigkeit nämlich bin ich damit beschäftigt mir auf die Zunge zu beißen um nicht laut los zu prusten. Es ist spannend, was man hier alles erleben kann.

Nicht ungewöhnlich ist, dass sich neben mir jemand platziert der seinen Fön auspackt um damit im Internet zu surfen. Das sind die Sorte von Studenten, die Laptops benutzen, die schon beim einschalten den Lautstärkepegel eines Staubsaugers überschreiten.

Spannender jedoch sind die außergewöhnlichen Fälle. Neulich zum Beispiel saß mir ein Mädchen gegenüber, das nach dem Genuss von Sprudelwasser fürchterlich Schluckauf bekam. Anstatt den Saal zu verlassen blieb sie tapfer. Sie hixte alle zehn Sekunden laut in die Stille und arbeitete unentwegt weiter. Dabei war sie jedoch eine der wenigen. Alle anderen waren fortan damit beschäftigt diesem faszinierendem Spiel beizuwohnen. An konzentriertes Arbeiten war kaum mehr zu denken. Jeder Hixer zauberte dem Publikum ein breites Lächeln ins Gesicht. Alle schauten zu meinem Tisch, lachten sich gegenseitig an und waren prächtig amüsiert. Nur das tapfere Mädchen mir gegenüber arbeitete fleißig weiter.

Jetzt gerade ist ein Verkehrs-Student gekommen. Natürlich hat er sich direkt neben mich gesetzt. Die erste Viertelstunde seiner Anwesenheit war er damit beschäftigt seine zusätzlichen Lampen mit Schraubzwingen, Verlängerungskabel und Kabelbinder am Tisch zu installieren. Danach sortierte er (ungelogen) um die zwanzig Post-it und andere wichtige Markierungselemente rechtwinklig zur Tischkante. Ebenso seine zwei Karteikartenboxen, jeden einzelnen Stift, den Taschenrechner und seine Schiefermappe. Als er kurz draußen war um Bücher zu holen , haben wir uns am Tisch alle staunend-amüsiert angelacht. Inzwischen ist der Junge zurück. Sein Arbeitsplatz scheint nun, nach der ordnungsgemäßen Anordnung unzähliger Bücher, fertig eingerichtet zu sein. Es ist wieder Ruhe eingekehrt.

In Momenten wie diesen bringen alle Vorsätze nichts. Statt fleißig zu arbeiten genießt man dann heimlich das Zuschauer-Dasein.
Also… Psst! – Die Vorführung läuft!

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4 Gedanken zu “Geschichten aus dem Lesesaal

  1. Du solltest dein Thema vielleicht überdenken. Wäre sicher auch interessant eine Bachelorarbeit über „Das merkwürdige Verhalten wissensdurstiger Studenten zur Prüfungszeit“ zu schreiben, oder? 😉

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