FC Barcelona

Zum Abschluss meines Barcelona-Aufenthaltes hat es sich am vergangenen Sonntag ergeben, dass ich das Camp Nou, Europas größtes Fußballstadion, zu einem Spiel des FC Barcelona, Europas nominell bester Fußballmannschaft, besuchen konnte. Nicht allein die angedeuteten Superlative waren vielversprechend, auch die Ansetzung: Barca gegen Real.
Um keine falschen Tatsachen vorzutäuschen, bei Real handelte es sich nicht um den Erzrivalen aus Madrid, sondern um die Mannschaft aus Mallorca (immerhin elftbestes Team der spanischen Primera Division).

Das Betreten des Stadions war schon etwas besonderes. Bisher immer nur von außen gesehen, stand ich nun plötzlich drin, besser oben, auf den billigsten Plätzen (32 Euro) des Camp Nou. Tief unten der Rasen, um mich herum gut 98.000 Stitzplätze und irgendwie gar kein Gewusel. Knapp eine Stunde vor Anpfiff war das Rund noch erstaunlich leer. Die Zuschauer, die bereits da waren, schienen alle, wie ich, Touristen zu sein.

Ein erstes mal kam für einen kurzen Moment so etwas wie Fußballstimmung auf, als die Stars den Rasen betraten um sich zu erwärmen. Etwa fünf Minuten vor Anpfiff füllten sich die Ränge zunehmend. Dann ging es los. Das Spiel. Messi, Iniesta und Milito zeigten gleich zu Beginn was in ihnen steckt, was man von den Fans nicht behaupten konnte. Hinter dem Tor, auf das die Weltstars spielten, war eine kleine Hundertschaft, die hin und wieder den ein oder anderen leisen Gesang anstimmte, ansonsten war Ruhe im weiten Rund. Dies sollte sich auch über die gesamten 94 Spielminuten nicht ändern.

Wie in einem Computerspiel überblickte ich von meinem Platz aus das Spiel; im Blickfeld der komplette Rasen. Mit einem Augenaufschlag konnte ich alle vier Eckfahnen und das Geschehen dazwischen komplett überblicken. Sehr beeindrucken. Beeindruckend war auch, was die Fußballer dort unten zeigten. In den ersten 35 Minuten spielte Barca seinen Gegner an die Wand. Jeder Pass kam an, Ballannahmen wirkten so einfach und dieser Messi… – unglaublich gut! Nur der Spielstand spiegelte diese Dominanz der Hausherren nicht wieder. Statt 3, 4 oder 5:0 führte der FCB gerade mal mit einem Tor und kassierte vor der Halbzeit sogar noch den Ausgleich: 1:1, das Endergebnis.

Mein Fazit nach diesem Fußballabend hätte ich so nicht erwartet. Selbstverständlich hat es sich gelohnt dieses Stadion, diesen Verein zu besuchen. Auch für 32 Euro. Einmal Weltstars wie Messi Fußballspielen zu sehen und das an der Stätte, ist auch diesen Preis wert. Die Stimmung im Stadion jedoch und die Fußballkultur in Spanien hat enttäuscht. So passte es zur nichtvorhandenen Atmosphäre, dass die Kicker letztlich nur zum Fußballspielen auf den Rasen kommen. Nach dem Spiel gab es keine Ehrenrunden, keine Emotionen, keine Nähe zu den Fans; die Spieler gingen direkt nach Abpfiff in die Kabine. Die Fans im Stadion verschwanden so plötzlich und leise, wie sie gekommen waren.
Wer regelmäßig deutsche Fußballstadien besucht und ja, wer Fan von Dynamo Dresden ist, der versteht unter Fußballkultur etwas anderes.

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