Medien, Macht und Politik

Wenn ich im Moment Nachrichten sehe, geht es innenpolitisch nur noch um die Debatte zur Jugendgewalt, das perfekte Wahlkampfthema für unser Land. Aufgebracht von den Medien, dankbar angenommen von den Herren Koch, Beck und Co.
Man könnte fast auf die Idee kommen die Vertreter des Volkes haben die Krimilellen in München für den Überfall auf den Rentner, der die ganze Debatte ausgelöst hat, engagiert. Hatten die Parteien doch vorher kein wirklich öffentlichkeitswirksames Wahlkampfthema.

Die Leitmedien spielen der Politik wieder einmal gekonnt in die Arme. Schließlich werden täglich auf brutale Art Menschen überfallen und zusammengeschlagen. Nur interessiert dies dann maximal den Polizeibericht der lokalen Presse.
Was nicht im Bild ist kann man nicht verkaufen und darum geht es lediglich: Verkaufen. Ideal also für alle Beteiligten, dass der Überfall auf den Mann in München direkt vor einer Überwachungskamera stattgefunden hat. Das Fernsehen hatte endlich wieder ein Thema was in sämtlichen Sendungen ausgeschlachtet werden konnte. Durch die schockierenden Bilder war es auch gut genug um Wirkung beim Zuschauer zu hinterlassen.
Aber warum bekamen wir Tage, fast Wochen lang immer wieder diese menschenunwürdige Szene vorgeführt? Ist das der sensationsgeile Journalismus der sich so gut verkauft? Das private Sender wie Sat1, Pro7 und RTL auf diese Bilder angewiesen zu sein scheinen ist nichts neues, aber warum waren es dies mal vor allem ARD und ZDF, die die brutalen Prügelszenen fleißig in allen Nachrichtensendungen zeigten? Unterstützt von zahlreichen Dokumentationsbeiträgen in den „Tagesthemen“ und im „heute-Journal“ ist es unseren Öffentlich-Rechtlichen wieder perfekt gelungen Meinung zu machen.
Den Menschen in Deutschland ist es inzwischen auch urplötzlich klar geworden: Wir sind gefährdet. Die Gefahr kommt kommt von den kriminellen Jugendlichen, besonders von denen mit „Migrationshintergrund“. Und diese Gefahr kam ganz plötzlich, von heute auf morgen. Glücklicher Weise genau zur Zeit des Wahlkampfes.

Gut ist auch für unsere Politiker aus Niedersachsen und Hessen, dass dieser Überfall vor den Kameras in München und nicht in Mügeln, Mittweida, Rostock oder Magdeburg stattgefunden hat. So ist dieses Problem keines der fernen, alten Bundesländer, auf die man kopfschüttelnd mit dem Finger zeigen kann. Durch diesen glücklichen Zufall ist die Problematik der jugendlichen Gewalttäter hausgemacht, sie geht ganz Deutschland etwas an.

Glückwunsch den Politikern!
So einfach kann es sein, seinen Beruf auszuüben: Fernesher einschalten und den Rest machen die Medien.

Die Erziehungslager für Jugendliche, die der Fernsehkonsument aus K1-Reportagen oder von N24 kennt, bei denen man früher die Augen verdreht hat und sich nur dachte „Klar, die Amis…“, werden plötzlich zum Programm. Deutschland braucht solche Lager und vor allem Politiker, die sich für diese Lager einsetzen.
Schließlich wird über solche bahnbrechenden Vorschläge diskutiert und reden ist ja bekanntlich Silber, im Wahlkampf Gold.

Leider sind die Parteien in der Demokratie auch nur große Unternehmen. Unternehmen die sehen müssen so viele Stimmen wie möglich einzunehmen um nicht pleite zu gehen. Bloß gut, das die Medien diesen Unternehmen immer wieder neue Geschäftsideen liefern. Denn die Politik heutzutage wird nicht allein von unseren Volksvertretern gemacht, die Politik machen ganz andere Leute. Leute die entscheiden, was, wann und vor allem wo etwas ausgestrahlt wird. Die Medien machen Politik.

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